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Thema | Juli / August 2019


Mein Körper

Das Leben stellt uns vor herausfordernde Fragen, wie wir mit unserem Körper umgehen sollen. In der Bibel entdecken wir eine Sicht von unserem Körper, die befreiend, lebensbejahend und hoffnungsvoll ist und echte Antworten auf schwierige Fragen bietet.



Mein Körper im Licht der Gesellschaft
Unsere westliche Gesellschaft hat zunehmend eine radikal gespaltene Sicht des Menschen angenommen, als wäre er aus zwei Komponenten zusammengefügt: Person und Körper. Diese dualistische Sichtweise führt zu einer Abwertung und Verachtung des Körpers – er gehört nicht wirklich zur menschlichen Person, ist ihr gegenüber minderwertig und verdient nicht den gleichen Schutz und Respekt wie die Person.

1. Mein Körper im Licht der Gesellschaft
Beispiele gefällig? Millionen ungeborener Kinder werden Jahr für Jahr getötet. Sie haben zwar einen menschlichen Körper, aber es wird behauptet, sie seien noch keine schützenswerte Person.

Die gleiche Verachtung des menschlichen Körpers zeigt sich in der Haltung zur Sexualität. Liebe und Sex gehören nicht unbedingt zusammen; rein körperliche sexuelle Beziehungen werden als sinnvoll betrachtet, so als hätte unser Körper mit uns als ganzer Person nichts zu tun.

Besonders deutlich wird die Spaltung zwischen Person und Körper darin, wie heute zwischen dem biologischen Geschlecht und dem gefühlten Geschlecht (Gender) unterschieden wird. Wenn ich fühle, dass ich ein Mann bin, dann spielt es keine Rolle, dass mein Körper weiblich ist. Er hat nichts mit meiner wirklichen Identität zu tun und sein Design ist irrelevant für meine Entscheidungen.

Aber beschäftigt sich unsere Gesellschaft nicht geradezu obsessiv mit dem Körper? Bodybuilding, Schönheitsoperationen und Anti-Aging-Behandlung sind ein grosses Geschäft und die Medien überfluten uns mit Bildern von «schönen» (d. h. retuschierten) Körpern. Dieser Körperkult entspringt aber nicht einer echten Wertschätzung des menschlichen Körpers. Vielmehr offenbart dieses Streben nach Perfektion oder Extravaganz unsere tiefsitzende Ablehnung des echten, wirklichen Körpers.

2. Mein Körper im Licht der Bibel
Die Bibel bietet mir eine Perspektive, die positiv ist, den Körper und das Leben bejaht und mit der Realität übereinstimmt. Ein liebender Gott hat mich in seinem Bild geschaffen, auch als körperlicher Mensch. Leib und Seele sind zwei Seiten der gleichen Münze, die untrennbar zusammengehören. Dadurch wird mir klar, dass es so etwas wie «rein körperliche» Beziehungen gar nicht geben kann, ich habe es immer mit einem ganzen Menschen zu tun. Ebenso wird mir deutlich, dass das Geschlecht meines Körpers nicht einfach bedeutungslos sein kann. Es ist zutiefst verwoben mit meiner Identität und meine körperlichen Funktionen zeigen mir die Absicht Gottes, wie ich meinen Körper gebrauchen soll. Die wunderbare Komplexität des menschlichen Körpers offenbart zudem die Herrlichkeit seines Schöpfers. Das motiviert mich, diesem Wunderwerk durch genügend Schlaf, gesunde Ernährung und Bewegung Sorge zu tragen. Gleichzeitig bewahrt es mich davor, meinen Körper zu vergötzen und die Gabe über den Geber zu stellen.

3. Mein Körper im Licht von Jesus Christus
Der hohe Wert des menschlichen Körpers zeigt sich vollends in der Person von Jesus Christus. Gott selbst wird ein Mensch, ein wahrer Mensch mit einem echten Körper. An diesem Leib hat er selbst meine Sünde hinaufgetragen an das Kreuz, um mich zu erlösen. Und es war dieser menschliche Körper, der an Ostern auferweckt worden ist. Jesus ist nicht gekommen, um nur den inneren Bereich des Menschen zu erretten, sondern den ganzen Menschen – seine Liebe zu mir schliesst auch meinen Körper mit ein. Deshalb gehört mein Leib schon jetzt Christus und ich kann ihn damit preisen. Und schliesslich ist meine grosse Hoffnung die leibliche Auferstehung, wo ich einen geistlichen Leib erhalten werde, frei von Schmerzen und Krankheit. Wie kann ich mir diesen geistlichen Körper vorstellen? Geistlich bedeutet hier nicht, dass er immateriell wäre. Ein Elektromotor ist ja auch nicht aus Elektrizität gemacht, sondern wird davon angetrieben. Dieser geistliche Leib wird ein echter Körper sein. Geistlich ist er, weil die Auferstehungskraft von Jesus ihn beleben wird.

4Mein Körper im Licht des Evangeliums
Doch im Moment lebe ich noch in einer Welt, die der Vergänglichkeit unterworfen ist. Davon ist auch mein Körper betroffen – er wird älter und kann krank werden. Und da tut sich ein schwieriges Dilemma auf: Wenn Gott mich doch als ganzen Menschen liebt und er mich heilen kann, warum bin ich dann krank? Einige beginnen dadurch an der Liebe und Güte Gottes zu zweifeln. Andere lösen das Dilemma, indem sie an Gottes Fähigkeit zu heilen zweifeln. Es ist populär geworden zu behaupten, es sei nie Gottes Wille, dass ein Kind Gottes krank ist. Am Kreuz habe Jesus bereits die körperliche Heilung für alle Menschen vollbracht, und wir brauchten unsere Heilung nur im Glauben anzunehmen. Gott möchte mich also immer heilen, aber er könne oftmals nicht, weil mein Kleinglaube ihn daran hindere. Eine zerstörerische Konsequenz dieser Lösung ist, dass am Ende der Kranke selbst schuld sein soll, wenn er nicht gesund wird. Doch eine solche Sicht ist biblisch nicht haltbar. Die Apostel haben niemals die Frohe Botschaft so verkündigt, dass rettender Glaube körperliche Gesundheit in der Gegenwart miteinschliesst.

Die Bibel zeigt mir einen besseren Weg. Sie ermutigt mich nämlich beständig, von der Ewigkeit her zu denken, in der Gewissheit, «dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll» (Römer 8,18). Sie ermutigt mich auch, dem souveränen, allmächtigen und liebenden Gott zu vertrauen, dass er mir alles zum Besten dienen lassen wird. Und die Bibel erinnert mich daran, was viel zu schnell vergessen geht: Seine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Krank zu sein bedeutet nie für das Reich Gottes unbrauchbar zu sein, im Gegenteil! Darf ich um Heilung beten? Unbedingt! Soll ich glauben, dass er heilt? Absolut! Wird er mich heilen? Definitiv! Wann wird er es tun? Zur rechten Zeit.